Autorin im Interview – also ich

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Interviews führen, das hab ich schon vor Jahren im Studium gelernt und später als Volontärin und Redakteurin zu Genüge geübt. Interviewt werden ist eine ganz andere Nummer. Es ist interessant zu beobachten, welche Fragen die Kollegen mir als Autorin stellen, manche kann ich voraussehen („Woher kommt die Idee?“), andere nicht („Gibt es einen Unterschied zwischen literarischem Schreiben und journalistischem?“ – ömmmm, definitiv, aber ich muss mal schwer überlegen, wie ich den formuliere). Meine Agentin Alisha Bionda hat den Fehler gemacht, mich ausdrücklich aufzufordern, ausführlich zu antworten, damit die Leser mich richtig kennenlernen können. Und das können sie. Von meiner geschwätzigsten Seite! Viel Vergnügen: http://www.literra.info/interviews/interview.php?id=483

 

EDIT: Da die Literra-Seite wegen technischer Probleme offline ist, kopiere ich das Interview hier rein

Alisha Bionda führte via Mail den ersten Teil eines umfangreichen Interviews mit ANDREA WEIL, deren Vampirroman NO PFLOCK jüngst im Fabylon-Verlag erschienen ist.

 

A.B.: Liebe Andrea, damit Dich die Leser besser kennenlernen, möchte ich Dir erst einmal einige persönliche Fragen stellen: Was gibt es über Dich als Mensch zu sagen?

A.W.: Über mich als Mensch, das klingt ja schon fast philosophisch! Ich hatte Philosophie als Nebenfach im Journalistik-Studium, zusammen mit Literaturwissenschaft. Ich interessiere mich für so viele verschiedene Dinge, verschiedene Menschen, stelle gerne Fragen und lerne Neues kennen. Deshalb hab ich einst Journalismus als Beruf gewählt. Und weil ich gerne schreibe, natürlich. Mittlerweile hab ich mich selbständig gemacht und arbeite hauptsächlich als Lektorin. Als Tochter eines Deutschlehrers korrigiere ich einfach zu gern. Wie bin ich als Mensch? Ein verkappter Frühaufsteher, der durch den Beruf zu anderen Arbeitszeiten erzogen wurde. Teeliebhaber, kein Kaffee. Neugierig, aber auch ungeduldig. Ich rede sehr gern und neige dazu, mich bei Anekdoten zu wiederholen. Ich liebe Tiere und die Natur, in einer Großstadt würde ich eingehen. So gerne ich unter Menschen bin, manchmal muss ich allein sein und komplett abschalten. Dann laufe ich, am Meer, im Wald, in den Bergen, irgendwo, wo ich nichts höre außer Wasser, Wind und Laubrascheln. Ich bin schon in ganz Deutschland zu Hause gewesen, immer der Arbeit nachgereist, aber jetzt hoffe ich, endlich angekommen zu sein in Schwedt an der Oder. Und ich bin ziemlich romantisch, auch wenn ich das selten zeige, wie mein Freund zu seinem Leidwesen bestätigen kann.

 

A.B.: Was zeichnet Dich in Deinen Augen aus?

A.W.: Flexibilität, schnelle Auffassungsgabe und manchmal zu viel Perfektionismus. Wenn ich mich komplett in Arbeit vergrabe, vernachlässige ich alles von Essen bis hin zu Freunden, das ärgert mich dann. Ich kann sehr beherrscht sein, wenn es drauf ankommt, und diplomatisch, aber manchmal gehen auch die Emotionen mit mir durch. Ich trainiere gerade, mehr auf meinen Bauch zu hören als auf meinen Kopf. Ich komme gut mit den verschiedensten Menschen klar. Außerdem bin ich eine kleine Rampensau, das kommt mir bei Lesungen hoffentlich noch zugute.

 

A.B.:  Was magst Du, und was eher nicht?

A.W.: Ich mag es, wenn Menschen klar sagen, was sie denken, statt rumzudrucksen, aber ich mag es nicht, wenn sie dabei beleidigend werden oder ständig an allem rumkritisieren. Ich mag konstruktive Kritik und Gespräche auf Augenhöhe. Ich mag entspannende Schaumbäder, meine Lieblings-Saunalandschaft am Scharmützelsee (der heißt wirklich so!), die Kartoffelsuppe meiner Mutter und in ein klassisches Konzert meiner Schwester gehen (sie spielt Klarinette). Ich kann Käse nicht ausstehen, ich bestelle sogar Pizza ohne Käse. Manche Diskussionen auf Facebook bereiten mir Bauchschmerzen, Fremdenhass, mangelndes Mitgefühl und Intoleranz sind die großen Übel dieser Welt.

 

A.B.: Welche Hobbys hast Du?

A.W.: Schreiben, wenn ich das jetzt überhaupt noch als Hobby bezeichnen kann. Lesen und Pen & Paper-Rollenspiel, was mittlerweile wieder ins Schreiben mündet. Ich habe ein Motorrad, singe im Chor und gehe in Gewandung auf Mittelaltermärkte. Wie erwähnt, wandere ich gerne in der Natur, schwimme und fahre Fahrrad. Statt Fernsehen schaue ich lieber nerdige YouTube-Kanäle. Seit ich vierzehn bin, beschäftige ich mich mit Wölfen, habe schon in einem Wolfcenter geholfen, Welpen aufzuziehen, und im Yellowstone Nationalpark Wölfe in freier Wildbahn beobachtet. Einer meiner größten Träume ist es, einen Wolf in Deutschland zu sehen. Ich gebe Wolfseminare an Schulen, um Kinder über die missverstandenen Tiere aufzuklären. Es gibt Ängste, und die muss man ernst nehmen und sachlich diskutieren, keine Fronten aufbauen.

 

A.B.: Wolltest Du immer schon Schriftstellerin werden? Oder gab es da eine Initialzündung oder war es eher eine Folge Deiner persönlichen Entwicklung?

A.W.: Ich glaube, ich wollte das schon immer, auch wenn ich den Wunsch zwischendurch als zu unvernünftig verdrängt hab. Ich hab im Alter von elf Jahren ein „Manuskript“ – achtzehn Seiten inklusive selbstgezeichneter Illustrationen – an einen Verlag geschickt. Die herzensgute Absage der Lektorin hab ich bis heute aufgehoben. Ich denke aber auch, dass mir das Journalistik-Studium und die Erfahrungen als Tageszeitungsredakteurin erst so richtig die Werkzeuge an die Hand gegeben haben. Zum einen gelten viele Regeln für einen guten journalistischen Text auch für literarisches Schreiben, zum anderen habe ich viel mit Menschen zu tun gehabt in allen Lebenslagen und einiges über ihre Motivationen erfahren. Das hilft mir hoffentlich, realistischere Figuren zu erschaffen, mit denen die Leser mitfühlen können.

 

A.B.: Wann hast Du zu schreiben begonnen?  Und womit?

A.W.: Ich erinnere mich noch, dass mein erster Klassenlehrer, Herr Pötz, drei Sätze und eine Zeichnung von mir über meinen ersten Flug mit einem Flugzeug im Flur der Grundschule aushängte und wie stolz ich war. Mit zehn hab ich eine Geschichte über ein falsches Gespenst bei der Kinderseite unserer Zeitung eingereicht. In den Folgejahren habe ich einige Katzengeschichten für diese Seite verfasst, das Zeilenhonorar wurde in Form von Briefmarken per Post verschickt. Aber die Storys waren vom Stil her immer so wie das Buch, das ich gerade las. Die erste eigene Geschichte, die nach mir klang, hab ich mit vierzehn geschrieben, über die Beziehung zwischen Mensch und Wolf. Das „Wolf Magazin“, in dem sie erschienen ist, hat mein Leben sehr geprägt, sowohl was das Schreiben von Kurzgeschichten betrifft als auch meine journalistische Karriere bis hin zu den Wolfseminaren, die ich heute gebe. Deshalb ist es wohl nicht verwunderlich, dass mein erstes Romanmanuskript, das noch auf der Suche nach einem Verlag ist, eine Werwolfgeschichte auf dem neusten Stand der Wolfsforschung ist. Der erste Entwurf dieses Buchs entstand in der Schulzeit (zum Teil im Unterricht) und ist durch drei Fassungen in fünfzehn Jahren gegangen. Heute bin ich zum Glück schneller.

 

A.B.: Hast Du eine fest strukturierte Methode, wie Du ein Projekt umsetzt?

A.W.: Ich würde gerne behaupten, es wäre so, weil ich sonst ein sehr strukturiert arbeitender Mensch bin. Aber kreatives Schreiben lässt sich so viel schwerer steuern als alles andere. Immerhin kann ich behaupten: Ich schreibe immer von vorn nach hinten, schön chronologisch. Wenn mir Ideen für später in den Kopf springen (ich nenne sie „Plotbunnies“, gefährliche Biester), dann werden sie notiert, aber nicht weiter beachtet. Den ersten Satz zu finden, bereitet mir nie Probleme. Denn wenn mir eine Geschichte einfällt, habe ich automatisch den Anfang. Meistens kommt er nachts, wenn ich entspannt im Bett liege. Dann stehe ich auf, schreibe die erste Szene nieder, und die verändert sich auch in späteren Überarbeitungsschritten kaum noch. Ich hab auch meistens eine Idee für den Schluss, aber richtig detailliert plotten kann ich höchstens drei Kapitel im Voraus. Stattdessen spiele ich im Kopf mit den Charakteren herum und warte ab, wie sie sich entwickeln. Das ist so eine Mischung aus Planen und Entdecken, keine Reinform. Mittlerweile trainiere ich meine Muse, versuche, sie zu „programmieren“, indem ich abends beim Einschlafen fest an eine bestimmte Idee denke – bitte einmal Dystopie, bitte einmal Romanze –, und dann mit einem Anfang aufwache. Erstaunlicherweise funktioniert das immer besser. Die Rohfassung schreibe ich per Hand in ein Notizbuch, weil so die Geschichte besser fließt. Das Abtippen ist automatisch die erste Überarbeitungsrunde. Am liebsten lasse ich alles noch ein wenig liegen, um später nochmal drüber zu gehen. Dann kann ich meinen Text ein wenig so behandeln, als hätte ihn ein Lektoratskunde geschrieben. Eigentlich klingt das doch ziemlich methodisch, wenn ich es so erzähle.

 

A.B.: Schreibst Du gerne zu einer bestimmten Zeit? Lieber tagsüber, lieber abends/nachts? Wie sieht Dein Tagesablauf aus?

A.W.: Die Nacht ist die beste Zeit für kreative Ideen, aber der Tag ist die beste Zeit, um sie mit Verstand umzusetzen. Zwar nehme ich gelegentlich online bei der sogenannten „Schreibnacht“ teil und hab sie unter Anfeuerung von Foren-Freunden schon bis halb vier morgens durchgehalten, aber eigentlich bin ich gar keine Nachteule. Leider machen es mir meine vier Standbeine – Lektorin, Journalistin, Autorin und Umweltpädagogin – so gut wie unmöglich, eine Alltagsroutine zu entwickeln. Es kommen immer Termine dazwischen, mal morgens, mal abends. Mal schlafe ich lange, mal muss ich für ein Projekt um halb fünf aus dem Bett. Deshalb hat sich rausgestellt, dass ich am besten damit klarkomme, alles beiseite zu schieben und einen ganzen Schreibtag einzulegen, wenn ich gerade im Flow bin.

 

A.B.: Bevorzugst Du eine bestimmte Atmosphäre oder benötigst Du besondere Ruhe wenn Du schreibst?

A.W.: Am besten schreibe ich in völliger Ruhe auf meinem Sofa oder auf langen Zugfahrten. Im Gegensatz zu vielen meiner Freunde kann ich Musik überhaupt nicht brauchen beim Schreiben. Allerdings habe ich zu jedem Projekt einen „Soundtrack“, der nach und nach immer weiter wächst. Den höre ich, um mich vorzubereiten. Manchmal begegnen mir zufällig Lieder, die zu Figuren oder Szenen passen, manchmal suche ich gezielt nach einer Stimmung.

 

A.B.: Schreibst Du an mehreren Projekten gleichzeitig oder trennst Du das strikt?

A.W.: Ich habe immer mehrere Projekte gleichzeitig in Planung und in unterschiedlichen Stadien im Notizbuch oder auf dem Computer. Aber ich schreibe nicht gleichzeitig daran. Es kommt in Schüben, wann ich die Kreativität mal für das eine, mal für das andere habe. Priorität haben natürlich die Projekte, die mit einer Deadline versehen sind, aber immer wieder drängt sich das ein oder andere Herzensprojekt dazwischen.

 

A.B.: Welchen Genres ordnest Du Dich zu? Welches reizt Dich am meisten?

A.W.: Am meisten zuhause fühle ich mich im Genre der Urban Fantasy. Ich liebe es, mir vorzustellen, wie fantastische Elemente in unsere alltägliche Welt einbrechen und wie die Menschen dadurch herausgefordert werden in ihrem Anspruch, alles zu erklären und zu kontrollieren. Dabei darf nicht alles beliebig sein, die Geschichte muss ihren selbst gesetzten Regeln folgen, realistisch bleiben inmitten der abgedrehtesten Szenarien. Aber nicht zuletzt durch Anregung meiner klugen Agentin fange ich an, meinen Horizont zu erweitern und verschiedene Genres auszuprobieren: Science Fiction, Tiere, Krimi, sogar Romanze.

 

A.B.: Jüngst ist Dein Vampir-Roman NO PFLOCK im Fabylon-Verlag erschienen. Schilder uns doch bitte kurz, was die Leser darin erwartet.

A.W.: Garantiert unromantische Vampir-Fantasy mit Regionalkrimi-Elementen. Mein Vampirkonzept lehnt sich mehr an Klassiker wie Dracula an als die Literatur der jüngeren Jahre. Die Hauptfigur, Martin, wird aus heiterem Himmel in einen Vampir verwandelt. Er liest nicht mal Fantasy-Bücher, hat also keine Ahnung, wie er mit seiner neuen Daseinsform fertig werden soll, und richtet erstmal allerhand blutiges Chaos an. Weil er zu viel Aufmerksamkeit erregt, hat ihn bald nicht nur die Polizei im Visier, sondern auch der Münchner Vampirältestenrat und die geheimnisvolle Vampirjägerorganisation „No Pflock“. Eine große Frage ist, welche Pläne eigentlich Martins Meister Ravic verfolgt. Der lebt sehr zurückgezogen und selbst die Ältesten fürchten ihn – warum also hat er sich ausgerechnet Martin als „Sohn“ ausgesucht, lässt ihn dann aber völlig allein?

 

A.B.: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Fabylon-Verlag?

A.W.: Den hat mir meine liebe Agentin vermittelt. Ich bin sehr froh über unsere Zusammenarbeit, mir alleine einen Verlag zu suchen, das würden meine Nerven nicht aushalten, glaube ich. Außerdem ist es toll, jemanden zu haben, der einen über Rechte berät, darüber, was gerade gefragt ist am Markt und so weiter. Der Fabylon-Verlag ist zwar klein, aber seriös.

 

A.B.: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Lektorat?

A.W.: Sehr angenehm. Ich hatte ein bisschen Angst, dachte, jetzt kriege ich mal am eigenen Leib zu spüren, was ich meinen Kunden antue. In gewisser Weise war es auch so, nämlich sehr konstruktiv und respektvoll. Uschi hat mir gut begründet, warum sie verschiedene Änderungen vorschlägt, und wenn mir etwas nicht so gefallen hat, haben wir zusammen einen Kompromiss gefunden, der sowohl dem Leser als auch dem Autorenego gerecht wurde. Die Kommunikation war prima.

 

A.B.: Wie gefällt Dir die Optik des Romans?

A.W.: Das ist noch etwas, für das ich sehr dankbar bin: dass bei der Covergestaltung meine Wünsche mit berücksichtigt wurden. Ich liebe es sehr, es ist sehr stimmungsvoll, bis hin zu diesem hübschen Detail, dass im Buch selbst ein Perspektivwechsel mit einem kleinen Grab-Symbol eingeleitet wird.

 

A.B.: Hast Du ein Vorbild – literarisch und/oder allgemein?

A.W.: Vorbilder sind ein schwieriges Thema, ich finde, jeder muss seinen eigenen Weg finden, nicht nacheifern. Der Autor, den ich am meisten liebe, hat einen komplett anderen Stil als ich: Peter S. Beagle, bekannt durch „Das letzte Einhorn“. Beagle erschafft einfach göttliche Metaphern und Bilder, das könnte ich nie. Schreiberisch orientiere ich mich da schon eher an Stephen Kings Ratgeber „Das Leben und das Schreiben“ und bewundere, wie der Mann Figuren in wenigen Sätzen charakterisieren kann, einfach nur, indem er beschreibt, was sie tun und wie sie sprechen. Aber ein Vorbild ist das trotzdem nicht. Das ist, allgemein gesehen, für mich am ehesten Elli Radinger, die Chefredakteurin des Wolf Magazins. Sie ist freie Autorin und Wolfs-Fachfrau, hat vor Jahren ihre Anwaltskanzlei in die Tonne getreten, um ihren Traum zu verfolgen. Und ein lieber Mensch und eine gute Freundin ist sie obendrein.

 

A.B.: Liest Du regelmäßig? Wenn ja, was bevorzugt?

A.W.: Lesen ist in meinen Alltag integriert wie Zähneputzen: Jeden Morgen lese ich ein paar Seiten zum Aufwachen, jeden Abend zum Einschlafen, manchmal noch mittendrin zur Entspannung, in der Badewanne oder beim Essen. Außer, ich bin gerade so in einer Geschichte drin, dass die Ereignisse in meinem eigenen Kopf interessanter sind. Wenig überraschend lese ich hauptsächlich Fantasy, nicht nur Urban, auch fremde Welten. Meine Lieblingsautoren sind Beagle und Neil Gaiman, gerade die, die niemals Serien schreiben. Gelegentlich beschäftige ich mich mit Klassikern der Literaturgeschichte, mit historischen Romanen, Büchern über amerikanische Ureinwohner, über Wölfe und andere Tiere. Und es gibt Kinderbücher, für die man niemals zu alt wird, alles von Astrid Lindgren, zum Beispiel.

 

A.B.: Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Deinen Lesern?

A.W.: Von der Zeitungsredaktion her bin ich es gewohnt, dass mich Leser anrufen, anmailen oder auf der Straße ansprechen. Zum Glück tun sie das nicht nur, wenn sie was zu meckern haben, sondern auch, um zu loben. Das freut mich natürlich sehr, ebenso Rückmeldung auf Facebook. Gleichzeitig hat es keinen Sinn, ständig den potentiellen Leser im Hinterkopf zu haben, wenn man schreibt, finde ich. Hauptsächlich schreibe ich Bücher, wie ich sie selbst gerne lesen würde, bin also mein eigener Testleser. Wenn der Autor Spaß hat beim Schreiben, hat sie auch der Leser beim Lesen, ist meine Erfahrung.

 

A.B.: Hältst Du auch Lesungen ab? Oder kann man Dich künftig auf Cons antreffen? Wenn ja, auf welchen?

A.W.: Ich hoffe doch sehr, dass ich möglichst viele Lesungen abhalten kann, denn das ist die schönste Art überhaupt, mit Lesern persönlich in Kontakt zu kommen. Das hab ich schon bei meinem Sachbuch mit Anekdoten aus der Schwedter DDR-Zeit erlebt. Ich bin zwar wahnsinnig aufgeregt, aber ich liebe es, vorzulesen, ebenso wie vorgelesen zu bekommen. Am 15. März findet um 18 Uhr die erste in der Schwedter Stadtbibliothek statt, und ich bin mit meiner Lieblingsbuchhandlung in meiner alten Heimat Weilburg im Gespräch wegen einer Lesung Anfang Mai. Richtig gerne würde ich in Eichstätt lesen, mal sehen, was sich da ergibt. Außerdem werde ich mich auf der BuCon in Dreieich herumtreiben und bei der Buch Berlin. Mal sehen, welche Cons ich noch so schaffe. Schwedt ist mit seiner Lage direkt an der polnischen Grenze leider doch recht weit ab vom Schuss.

 

A.B.: Gibt es Menschen, die Dich bei Deinem schriftstellerischen Werdegang unterstützt haben? Freunde, Familie, Kollegen? In Deinen Anfängen und jetzt?

A.W.: Mein Vater hat mich immer unterstützt. Wir haben viele ähnliche Interessen, die sich gegenseitig beflügeln. Meine Mutter baut mich immer wieder auf, wenn ich Zweifel hege. Meine Schwester ist meine wichtigste und strengste Testleserin. Meine Freunde fragen ständig nach, wann sie wieder was von mir lesen können. Das ist ermutigend, gerade weil die meisten ja selbst aus der Medienbranche kommen. Dann ist da der Kreis von Autorenfreunden, die selbst schreiben. Die sind für mich da zum Brainstormen, wenn ich feststecke oder einfach mal hören will, ob es überhaupt Sinn macht, was ich mir da im Kopf zusammengebastelt hab. Das mache ich analog mit Anna Tulke – wundervolle Nachmittage im Park oder im roten Ohrensessel, an deren Ende wir und das gerade Verfasste vorlesen. Ihre wundervollen Nuss-Eierkuchen liefern die nötige Energie. Oder auch online mit Schreibnacht-Freunden, allen voran Tali. Das ist ein Nickname, aber ich kenne sie auch persönlich. Einfach so würde ich in einem Forum keinem Wildfremden meine Ideen anvertrauen. Tali hat mich auf die Soundtracks gebracht und hilft mir mit Online-Rollenspielen bei der Ausarbeitung meiner Charaktere. Sie ist ein großer Ravic-Fan und weiß schon mehr über ihn, als die Leser von „No Pflock“ je erfahren. Es gab und gibt wirklich niemanden, der mir je gesagt hätte, Schreiben sei Zeitverschwendung und ich solle es lassen. Ich bin sehr glücklich, von so vielen wunderbaren Menschen umgeben zu sein.

 

A.B.: Welchen Rat würdest Du Newcomer-Autoren für die Verlagssuche geben?

A.W.: Geduld haben. Nicht auf Teufel komm raus veröffentlichen wollen – dann fällt man nur auf Selbstkostenverlage und Knebelverträge rein. Sich Mühe machen mit dem Exposé, auch wenn es eine leidige Arbeit ist. Kurz fassen und zusammenfassen, das hilft einem selbst, den roten Faden zu finden. Oder sich, wie ich, drum drücken und eine Agentur suchen, die einen kompetent vertritt.

 

A.B.: Worin siehst Du die Vor- und Nachteile in der Klein- und Großverlagsszene?

A.W.: So viel persönliche Erfahrung habe ich ja noch nicht, aber was ich bislang mitgekriegt habe, lässt mich folgende Schlüsse ziehen: Natürlich fühlt man sich geehrt, wenn ein großer, etablierter Verlag einen nimmt. Dann wird man wahrgenommen und erreicht eine ungleich größere Anzahl an Lesern, hat größere Chancen, in die Buchläden zu kommen oder Auszeichnungen zu gewinnen. Anderseits sind es gerade die Kleinverlage, die bereit sind, mit unbekannten Autoren und etwas abgedrehten Themen abseits des Mainstream ein Risiko einzugehen. Man bekommt mehr Mitspracherecht beim Lektorat und der Gestaltung eingeräumt, der Kontakt läuft auf dem kurzen Dienstweg und ist sehr persönlich. Man muss sich vielleicht etwas mehr in Sachen Eigenwerbung engagieren – aber man DARF sich auch mehr engagieren mit Lesungen und so weiter.

 

A.B.: Woran arbeitest Du derzeit? Auf was dürfen sich die Leser künftig freuen?

A.W.: Ich schreibe gerade an einem Katzenroman, der 2018 erscheinen soll – mal was ganz anderes, humorvoll und mit erheblich weniger Toten. Dann plotte ich gleichzeitig an einer Dystopie, einer Romanze, die im kanadischen Westen spielt, und einem Krimi, in dem ein Journalist der Ermittler ist. Außerdem bereite ich eine Fantasy-Serie vor, die gleichzeitig eine Parodie der Medienbranche darstellt. Es existieren schon einige Kapitel von einem SciFi-Roman, der auf meinem ältesten Rollenspielcharakter basiert, und auch die Vampire werden zurückkehren, bösartig und vielschichtig wie immer.

 

A.B.: Vielen Dank für das ausführliche Beantworten meiner Fragen.

A.W.: Ich danke für das interessante Gespräch. Das hat mich richtig zum Nachdenken gebracht.

2 Kommentare zu „Autorin im Interview – also ich“

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