DDR-Alltagsgeschichten aus Schwedt

Als das Publikum anfing, an den richtigen Stellen zu lachen, hat sich in meinem Innern ein richtiger Knoten gelöst. Gestern hab ich meine erste Lesung eines eigenen Werks erfolgreich über die Bühne gebracht: Weißt du noch? Mitten aus’m Schwedter DDR-Alltag. 

Zu jung, zugezogen, Wessi – kein Wunder, dass der Verlag am Anfang leichte Besorgnis anmeldete, ob ich die richtige Autorin für diesen Beitrag zu ihrer Serie wäre. Aber ein Telefongespräch und die Fürsprache des Stadtmuseums haben diese Zweifel ausgeräumt, und vor allem die ersten Leseproben. Monatelang war ich in der Stadt unterwegs und quetschte über 30 Interviewpartner zu den verschiedensten Lebensbereichen aus, durchstöberte Archiv und Chroniken, und am Ende hat Frau Dittberner noch die kleinen Fehlerchen korrigiert, die sich so einschlichen. Für Schwedter ist es so selbstverständlich, dass die Centra-Gaststätte „Schwarzer Panther“ genannt wurde, wie sollte ich ahnen, dass das nicht zwei verschiedene Lokale waren?

Vergangene Woche hab ich mir dann so richtig schön den Rücken verramscht, als ich das Bücherpaket aus der Post zum Auto trug. Ich hätte mir den Lieferschein vorher ansehen sollen: 32 Kilo, danke schön. Aber das Gefühl, die Nase in das druckfrische Buch zu halten, hat alles wieder wett gemacht.

Das Manuskript hatte ich ja schon vor Monaten beim Verlag abgegeben und ganz aus den Augen verloren. Jetzt durchblättern und feststellen: Schön ist es geworden, das war toll. Auch wenn man gleich ein kleines schlechtes Gewissen hat: Ist das jetzt eitel? Nee, warum soll man sich nicht über eine gute Arbeit freuen, nur weil es die eigene ist?

Ruft der Kollege aus der Zeitungsredaktion an. „Hast du ne Minute?“
„Klar“, sage ich und denke, er hat einen Auftrag für mich.
„Wie alt bist du eigentlich?“
Rausgekommen ist ein Artikel, der mich schon deswegen stolz macht, weil ein Einheimischer mir bescheinigt, den richtigen Ton getroffen zu haben. Die Gratwanderung ist mir gelungen, nicht in Ostalgie abzugleiten und zu beschönigen, aber eben doch die Menschen anzusprechen, die in diesem Land einfach auch gelebt haben und die zurecht nicht wollen, dass ihre Leistungen abgetan werden. Neben der Arbeit noch ein ganzes Waldbad zu bauen, ist für Laien kein Pappenstiel! Das moderne Krankenhaus, die Kitas…

Am Dienstag haben dann einige Passanten nicht schlecht geschaut, als ich für Uckermark-TV einen Sitzsack durch die Gegend schleifte und einfach so vor dem Kaufhaus anfing, laut vorzulesen. Natürlich war ich aufgeregt, aber zum Glück hat mich das nicht dran gehindert, zu lesen und im Interview rüberzubringen, was mir wichtig ist. Übung macht halt doch den Meister. Als ich zum ersten Mal für meinen Chor beim Frühlingskonzert Gedichte vortragen sollte, ging mir die Stimme weg. Jetzt bin ich sogar zur Moderatorin ernannt und hab mal einen Gottesdienst gehalten (andere, lange Geschichte), da weiß ich wenigstens, dass ich mich auf meine Stimme  verlassen kann.

Aber die ersten paar Minuten im Berlischky-Pavillon (tolle Akustik, hab ich schon beim Chorauftritt geliebt!) vergingen trotzdem ein bisschen wie im Nebel. Danke übrigens an Herrn Scheffler, dem ich meinen Fotoapparat in die Hand drücken durfte. Kleine Anekdoten lassen sich zum Glück recht leicht vorlesen, mit den passenden Bildern noch dabei, dass mich nicht alle anstarren. Wenn ich mal durcheinanderkam, trat ich die Flucht nach vor an – „Oh, da hab ich mich gerade verhaspelt, ah, hier geht’s weiter“ – und das Lachen war freundlich. Ein paar meiner Interviewpartner waren da und drückten mir am Ende warm die Hand, das ist das schönste Lob, dass sie sich in dem Buch wiederfinden.

Mal sehen, wie das wird, wenn ich erstmal ein komplett fiktionales Werk in Händen halte. Der Vertrag für meinen Vampirroman ist ja schon unterschrieben. Das Genre ist immer noch nicht ausgelutscht in meinen Augen, höhö.

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