Nostalgie: Meine liebsten Weihnachtsbücher

Ich liebe Weihnachten. Weihnachten macht mich nahezu kitschresistent, ich höre freiwillig „Last Christmas“, kaufe schon ab April Weihnachtsgeschenke und ab September Lebkuchen. In diesem Jahr hab ich herausgefunden, dass meine Lieblingsszene im Film „Wunder von Manhattan“ (1994), in der der Weihnachtsmann mit einem tauben Mädchen in Gebärdensprache redet, „echt“ ist. Die junge Schauspielerin ist wirklich taub und niemand hatte ihr verraten, was Richard Attenborough tun würde. Die Freude ist also hundertprozent authentisch und seither kriege ich erst recht feuchte Augen, wenn ich das sehe.

Und dann gibt es die Bücher, die ich jedes Jahr wieder lese im Advent. Weil mich das Thema Lesen und Vorlesen immer wieder beschäftigt hat in den vergangenen Wochen, möchte ich diese Weihnachtsausgabe meines Blogs dafür nutzen, ein paar davon vorzustellen:

„Weihnachten aus aller Welt“ (mittlerweile neu aufgelegt) beispielsweise war ein Heftchen, ein Adventskalender, der für jeden Tag eine Geschichte über Weihnachtstraditionen in Italien, Sri Lanka, Australien, Norwegen etc. bereit hielt, zusammen mit Bastelanleitungen für Musikinstrumente, Rezepte, Gedichte. Am Heiligabend geht es natürlich nach Bethlehem in die Geburtskirche, die nicht wirklich so aussieht, wie man sie sich als Kind vorgestellt hat. Ein wundervoller Blick über den Tellerrand!

Mit Abstand lesen sich die „Weihnachtsgeschichten“ von Lise Gast zu fromm für meinen  Geschmack. Aber ich verstehe, dass ihr der Glaube Halt gegeben hat in der schweren Zeit, als Witwe und Mutter einer Bande Kinder am Ende des Zweiten Weltkrieges aus der Heimat vertrieben zu werden. In diesem Buch wird mein Traumhaus beschrieben (das ehemalige Forsthaus mit Stall in „Der kleine Ausreißer“), jede Geschichte strahlt Herzensgüte aus. Beeindruckt hat mich auch die Erklärung, warum Gott Kinder mit Behinderung auf die Erde schickt: um Liebe zu erzeugen, Beschützenwollen. Ob man nun dran glaubt oder nicht – mein Vater hat als Lehrer an einer integrierten Gesamtschule selbst erlebt, wie bereichernd diese Kinder für eine Klasse sind.

Wenn Weihnachten kommt“ ist eine der besten Zusammenstellungen von Geschichten, die ich kenne, auch wenn Christine Nöstlinger eine geliefert hat, die ich niemals wieder lesen möchte und immer überblättere, weil sie zu viel harte Erkenntnis beinhaltet. Viele Geschichten haben einen ernsten Hintergrund, den Erwachsene noch besser begreifen als Kinder, vor allem Armut, fremd sein und ein Außenseiter, werden thematisiert. Aber immer kindgerecht. Hier bin ich auch zum ersten Mal auf „Hilfe, die Herdmanns kommen“ gestoßen. Das Kapitel, wie sie die Darstellung der Geburt Jesu in der Bibel in Frage stellen („Sie meinen, sie banden es zusammen und steckten es in eine Futterkiste? Wo bliebt denn da die Jugendfürsorge“), das ich als „Kurzgeschichte“ kennenlernte, ist immer noch der Höhepunkt des ganzen Romans für mich.

Hinter verzauberten Fenstern“ ist ein relativ unbekanntes Buch von Cornelia Funke und ein Fund, den ich erst als Erwachsene gemacht habe – aber es ist gleich in die Reihen meiner Klassiker aufgestiegen. Ich habe schon früh als Kind von meinen Eltern einen Bilderadventskalender erbeten, weil die mit Schokolade muffig und langweilig waren. Zu den Bildern konnte man sich dagegen Geschichten ausdenken – und genau das hat Cornelia Funke hier getan. Seit ich sie bei einer Schreibnacht als Stargast kennengelernt habe, mag ich die Frau noch mehr.

Wer mich kennt, hat vielleicht schon bei dem Foto oben gestutzt: Was macht Wolfgang Hohlbein da? Tatsächlich komme ich mit einem der erfolgreichsten deutschen Fantasyautoren überhaupt nicht klar. Ich kann auch nicht behaupten, dass „Saint Nick. Der Tag, an dem der Weihnachtsmann durchdrehte“ ein gutes Buch ist. Es steckt voller Klischees und das Ende ist heillos überzogen. Aber es ist eine Guilty Pleasure von mir. Dass sich der Weihnachtsmann selbst vom Kommerz anstecken lässt und seine Magie wiederfinden muss, finde ich eine spannende Idee.

Aber tausendmal lieber ist mir am Ende trotzdem ein anderer Weihnachtsmann: der, der den Tolkien-Kindern 23 Jahre lang Briefe geschrieben hat. Ja, das war nie als Buch geplant, aber ich bin den Nachkommen von J.R.R. Tolkien sehr dankbar, dass sie diese Schätze mit uns teilen. Die „Briefe vom Weihnachtsmann“ kamen mir zuerst in einer winzigen, gekürzten Ausgabe unter, doch da ist mir die Liebe zum Detail aufgefallen: die zittrige Handschriftprobe, weil der Weihnachtsmann so viel friert und Stress hat am Nordpol, die selbstgezeichneten Bilder und die Kommentare, die der Nordpolarbär dazwischen kritzelt. Ich habe sogar ein Kuscheltier nach diesem tollpatschigen Helfer benannt. Später habe ich sie mir natürlich in (vollständiger) englischer Ausgabe gekauft, um Tolkiens Sprache im Original zu genießen.

Und natürlich fallen mir jetzt noch mehr ein: „A Christmas Carol“ von Charles Dickens, das mir selbst die tausend Filmadaptionen nicht vermiesen konnten, eher im Gegenteil. Und nicht zu vergessen: die Weihnachtskapitel in so ziemlich allen Astrid Lindgren-Büchern. Ob Madita oder Die Kinder von Bullerbü – da steckt für jede Jahreszeit was drin. Aber die Weihnachtskapitel sind besonders herrlich. Und kritisch! Wie selbstverständlich Astrid Lindgren einfließen lässt, wie die armen Nachbarn von Madita versuchen, ein wenig Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, ist genial. Frohe Weihnachten euch allen. Ich hoffe, ihr bekommt viel guten Lesestoff geschenkt!

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.