Lass mich das für dich googeln

Bevor ich anfange zu maulen: Ich wünsche allen ein gesundes neues Jahr. Ein Jahr, das hoffentlich alle politischen Herausforderungen friedlich meistert, ob im In– oder Ausland (hoffen darf man immer). Ein Jahr, in dem wir alle alles ein kleines bisschen besser machen können. Ich persönlich freue mich auf die Veröffentlichung meines ersten Romans, die wiederbelebten Freienfelser Ritterspiele und einen Urlaub in Finnland.

Aber jetzt zum Thema. (Knackt mit den Fingern) Ich diskutiere ungern auf Facebook. Das kann man als feige bezeichnen, aber ich glaube kaum, dass man wildfremde Menschen auf dieser Plattform durch Kommentare von ihrer Meinung abbringen kann. Zumindest in den seltensten Fällen. Mobbing, „Fake News„, rassistische Hetze – die Plattform ist gerade ziemlich in die Kritik geraten. Doch manchmal sind es die Kleinigkeiten, die am meisten Zeit und Nerven fressen. Und manchmal begeben sich Menschen freiwillig auf einen grandiosen Ritt in den Shitstorm.

Ich bin von Berufs wegen in einigen Autorengruppen und finde es prima, wenn sich Selfpublisher auf dem harten Markt gegenseitig unterstützen, erfolgreiche Autoren ihre Erfahrungen mit jüngeren teilen und ihnen Mut machen. (Gestern Abend war wieder #Schreibnacht und Stargast Thomas Finn beantwortete fast die ganze Nacht geduldig Fragen, es war großartig!)

Allerdings sind manche Fragen, die Mitglieder an die Autorengruppen stellen … voreilig? Nicht durchdacht? Unglaublich dumm? Ist ausgerechnet im Internetzeitalter die Fähigkeit zu recherchieren abhandengekommen? Man muss doch kein Journalistik-Studium abgeschlossen haben, um zu wissen, dass man sich in Deutschland in der Regel an dem Duden orientiert, was Rechtschreibung betrifft. Der auch einen guten Internetauftritt hat. Und auch wenn Wikipedia nach dem kollektiven Korrektorats-Prinzip bei weitem nicht unfehlbar ist, ist es trotzdem ein gutes Nachschlagewerk.

Warum also, um Himmels Willen, muss man in einer Autorengruppe nach der Rechtschreibung eines Wortes fragen, nach der Definition eines Fremdwortes?

„Heißt es ‚Marie’s Restaurant‘ oder ‚Maries Restaurant‘?“
Ja, gut, das „Deppenapostroph“ breitet sich inflationär aus, gerade auf Restaurantschildern, aber die Rechtschreibregeln dazu sind eindeutig!

„Was ist ein Dramaturg?“ (an einen Dramaturgen)
Da gibt es mittlerweile das etwas schnippische, aber berechtigte: „Let me google that for you“ – „Lass mich das für dich googeln“: http://lmgtfy.com/?q=Was+ist+ein+Dramaturg%3F

Die Zeit, die der Fragende damit verbracht hat, die Frage zu posten, hätte er mit googeln verbringen können und wäre schneller zu einem Ergebnis gekommen. Hätte nicht anderen Leuten ihre Zeit gestohlen. Es gibt bewundernswert geduldige Menschen, die solche Fragen ernsthaft beantworten. Dann gibt es solche, die sich sarkastische Kommentare nicht verkneifen können. Und dann die Trolle, die das zum Anlass nehmen, sich über die fragende Person lustig zu machen. Wahrscheinlich lande ich mit diesem Blogbeitrag in Kategorie zwei, hoffentlich nicht drei.

Was ich sagen will: Macht euch nicht selbst zum Affen! Wer solche banalen Fragen postet, zeigt nur, dass er sich vorher kein Stück Gedanken gemacht hat, wirkt, als sei er zu dumm und unselbständig, um so etwas Simples selbst herauszufinden aus allgemein zugänglichen und vor allem zuverlässigen Quellen. Es gibt Fragen, die sind schwer zu beantworten. Manchmal hilft es einem, einen persönlichen Erfahrungsbericht zu erhalten. Für alles andere gibt es Duden, Wikipedia, Synonymlexica, Wörterbücher. Kostenlos online.

Wenn ich den Fragenden noch etwas Nachdenken unterstelle, könnten ihre Posts auch ein Symptom für das Misstrauen sein, das in der Unendlichkeit des Webs zunimmt. Welcher Quelle kann man überhaupt noch vertrauen? Oder es ist ein Phänomen des „postfaktischen“ Zeitalters: Scheiß auf den Duden, wir stellen die Rechtschreibung basisdemokratisch zur Diskussion. Ich hoffe wirklich, dass es nicht daran liegt, denn das wäre noch schlimmer, eine tiefer verwurzelte Krise als schlichte Gedankenlosigkeit.

Und an alle meine (zukünftigen) Kunden: Ich korrigiere nach Duden. Wo es Kann-Bestimmungen gibt, nehme ich die Schreibweise, die der Duden favorisiert. Ob sie mir persönlich gefällt oder nicht, spielt keine Rolle.

2 Kommentare zu „Lass mich das für dich googeln“

  1. Oh, von den "Wer kann sich gut in eine Hexe reinversetzen und gut beschreiben und hilft mir bei einer Geschichte?" hab ich noch gar nicht angefangen. Das ist einfach nur dreist, Leute als Ghostwriter ausnutzen zu wollen, wenn man selbst null Ideen hat.

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