Puppenspieler

Es tut mir leid, aber statt eines normalen Blog-Eintrags gibt es diesmal Werbung. Aber ich bin gerade zu begeistert vom TheaterFigurenMuseum, das ich am Wochenende in Lübeck entdeckt hab. Ich habe so gut wie nie mit Puppen gespielt, sondern mit Kuscheltieren. Schleppte jemand eine Barbie an, mussten wir unsere Fantasie anstrengen um zu erklären, warum da gerade ein menschengroßer Igel vor der Haustür steht. Aber wir reden hier nicht einfach von Puppen, sondern von einer uralten Schauspielkunst, die Menschen seit Jahrhunderten in allen Kulturkreisen ausgeübt haben.

Heute sind viele herumreisende Puppentheater auf irgendwelche Supermarktparkplätze abgeschoben und ansonsten in den Kindergarten verbannt. Für mich gehören die Begegnung mit einem Bauchredner und seinem sprechenden Pfern und eine Marionetten-Gruselgeschichte zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. Ich kann heute noch den Grenzsteinversetzer, der nach seinem Tod als Geist herumwandern musste, stöhnen hören: „O Not, o Pein, wohin mit dem Stein?“ Von der Augsburger Puppenkiste mal gar nicht zu reden! Als meine Freundin aus Frankfurt Oder sagte, sie kennt Jim Knopf und Lukas nicht, ist mir zum ersten Mal richtig bewusst geworden, dass wir wirklich in zwei verschiedenen Ländern aufgewachsen sind. Und ihr ging es genauso, weil ich mit Pittiplatsch nichts anzufangen wusste. Im Museumsshop in Lübeck gibt es übrigens beide. Vereintes Deutschland!

Fritz Fey, aus einer Puppenspielerfamilie stammend, hat auf Reisen durch Europa, Asien und Afrika alles gesammelt, was ihm an verschiedenen Theatertraditionen begegnet ist. 1000 Exponate, neben Figuren auch Kulissen, Zeitungsausschnitte, Werbeplakate und Kurzfilme, sind auf mehrere Stockwerke verteilt.

Aufgefallen ist mir das Haus in einer Seitenstraße nahe dem Holstentor eigentlich nur durch diesen beeindruckenden Baum hinter der riesenhohen Mauer. Dass in allen Fenstern Puppen sitzen, fiel mir erst beim Näherkommen auf. Und wer jetzt glaubt, mit dem Kasperle ist es getan, hat sich gründlich geirrt!

Und wenn etwas ins Wasser fallt, dann fress‘ ich’s halt.

Die Sense ist gewetzt.

Aus dem Puppen-Trickfilm „Das Schloss“

Der Expressionismus beeinflusste nicht nur die Malerei.

Ich dachte, diese europäischen Vertreter des Schattenspiels seien detailreich geschnitten, bis ich zu den asiatischen kam:

Ist das eine Stimmung?

Stangen-Schlenkerfiguren gab es schon in der Antike. Die Figuren sind fast menschengroß. Auf Sizilien erzählten Puppenspieler bis ins 20. Jahrhundert hinein Geschichten über den Kampf der Paladine gegen die Sarazenen.

… wobei hier wohl mal der Sarazen gewonnen hat.
Aber auch Marionetten gibt es weit jenseits von Augsburg:

Schaut euch nur mal die beweglichen Augen des Kerls an!

Der Schauspieler in Nigeria trug die Maske, das Reden und Händefuchteln übernahm der kleine Mann auf seinem Kopf.

Ich hätte mir teilweise sogar noch mehr Hintergrundinformationen gewünscht, aber auch so bin ich stundenlang in diese fantastische Welt abgetaucht, die wieder mal zeigt, wie viel alle Menschen gemeinsam haben. Und am Ende konnte ich nicht widerstehen und hab mir eine Handpuppe gekauft. Auf der Heimfahrt hab ich schon mal ein bisschen die Fingerfertigkeit geübt beim Lenken und Schalten – böse, was auch sonst beim bösen Wolf!

Übrigens trägt sich das Museum gerade so selbst. Die Motten aus den alten Stücken rauszuhalten, ist nicht leicht. Also: Unterstützt es mit eurem Besuch, wenn ihr in der Nähe seid!

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