Ein Tod und gute Musik: der Sturmflut-Projektsoundtrack

Seit ich an No Pflock gearbeitet habe, bin ich wie besessen davon, mir für jedes Projekt einen Schreibsoundtrack zusammenzustellen. Zwar nicht zum Schreiben, aber zum Einstimmen darauf. Und ausgerechnet mein erster Krimi hat mir ungeplant den verschafft, der mir die beste Laune macht. Ungeplant? Ja, tatsächlich, denn diese Zusammenstellung funktioniert allein über Gefühl. Manchmal fallen mir spontan Lieder ein, die zu meinen Charakteren gehören, manchmal suche ich konkret nach bestimmten Themen oder Stimmungen. Aber ob mir die langen Google-Listen am Ende passen, ist längst nicht gesagt. Auch die Liedtexte spielen nur bedingt eine Rolle. So haben Kalle und Kaja noch nie eine Weltreise gemacht oder versucht, ein U-Boot zu bauen, das Lied „Autobahn“ von Ohrbooten (s.u.) repräsentiert aber die lockere, kumpelhafte Art der beiden, miteinander umzugehen, und ihre gemeinsame Neugierde auf die Welt.

Sonnenuntergang überm Watt bei Dagebüll. Hier beginnt der Gleisdamm fürdie Postlore, die die vorgelagerten Halligen versorgt.

„Sturmflut“ ist ein Regionalkrimi. Zwar hoffe ich natürlich, eine spannende Geschichte zu erzählen, aber vor allem lebt das Manuskript von Lokalkolorit, Stimmung und seiner vielschichtigen, etwas schrägen Protagonistin Kaja. Sie hat vor eineinhalb Jahren einen Traum wahrgemacht und mit ihrem Freund, dem Mietkoch Kalle, im nordfriesischen Dagebüll einen literarischen Reiterhof eröffnet. Dort können die Gäste nicht nur reiten, sondern auch Schreibkurse belegen und sich in Autorenrunden austauschen. Kaja stammt aus einer reichen Frankfurter Familie und hat früh gegen die kapitalistische Einstellung ihrer Eltern rebelliert, Schule geschwänzt, sich bekifft, Häuser besetzt, an Anti-Nazi-Demos teilgenommen und in Straßenschlachten mit der Polizei hineinziehen lassen. Auch wenn sie heute ruhiger geworden ist, sesshafter, „bürgerlicher“ (ein Wort, das sie mit Grausen und sehr entschieden von sich weisen würde), spielt das mit in die Geschichte rein. Vor allem, warum sie beschließt, selbst Ermittlungen anzustellen, als eine ihrer Reitschülerinnen in einer Sturmflutnacht mit ihrem Pferd ins Meer stürzt und ertrinkt.

Die erste Szene des Buches ist eine Hommage an den „Schimmelreiter“ von Theodor Storm. Deshalb hab ich bei meiner Recherchereise natürlich auch das Storm-Haus in Husum besucht.

Deshalb habe ich – zum ersten Mal überhaupt – Charakterlieder, die sich unterteilen in: wie Kaja früher war und wie sie heute ist.

Kaja früher:

Kaja heute:

Ein Meer, das nicht gelegentlich damit drohte, einen vom Deich zu pflücken und mit sich zu reißen,
war für Kaja kein Meer.

Wenn ich den ersten Satz für ein Manuskript habe, habe ich auch die Geschichte, und dieser kam mir wie immer aus heiterem Himmel im Bett zugeflogen. Ich hoffe, dass das Lektorat nichts daran auszusetzen findet. Im Februar 2018 war ich für eine Woche auf Recherchereise in Dagebüll, zwar ohne Sturmflut, aber mit passend harschem Winterwetter – und einer Ferienwohnung auf einem Ponyhof. Dazu werde ich noch mehr Bilder posten und Anekdoten erzählen, wenn die Abgabe des Manuskripts noch näher gerückt ist. Aktuell bin ich wieder voll drin und in Stimmung, deshalb hatte ich auch das Bedürfnis, meine Playlist zu teilen. Und die besteht natürlich neben Kaja-Liedern auch aus einiger Meer-Stimmung:

Kaja ist zwar die alleinige Erzählerin der Geschichte, aber natürlich ist sie von einigen anderen Figuren umgeben. Besonders liebe ich ihre Beziehung zu ihrem Freund Kalle, ich muss mich zwischendurch zusammenreißen, nicht in Romanze abzugleiten – herrlich gradlinige No-nonsense-Romanze, wohlgemerkt. Das Lied des/der Antagonist*in ist ein tendenzieller Spoiler, aber zum Glück auf Finnisch, also sind alle auf der sicheren Seite, solange sie keine Übersetzung googeln.

Kalle

Kaja und Kalle

Vera (Kajas Ex und noch immer gute Freundin):

Anta

Sasha (Freundin von Marietta)

Die etwas andere Trauerfeier

Watt im Schnee, im Hintergrund der Priel für die Fähren

Eine Liebeserklärung an die Nordsee, die mich von Kind an fasziniert hat, gerade weil wir meistens nicht drin schwimmen konnten. Eine Liebeserklärung an meine Zeit als aktive Reiterin, die ich gern wieder aufleben lassen will. Eine Liebeserklärung ans Schreiben selbst. Kein Wunder also, dass sich das in einer Gute-Laune-Playlist widerspiegelt, entgegen aller Widrigkeiten.

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