Sprechperlchen und meine Anfänge als Autorin

Memory-Lane. Ich habe Post bekommen. Eigentlich sollte ich den Inhalt erst am Tag meiner Hochzeit wiedersehen, aber jetzt habe ich ihn aus einem traurigeren Anlass in der Hand: Mein erster Schreibpartner, den ich je hatte, ist gestorben.
Ich war acht Jahre alt und der Vater einer befreundeten Familie, mit der wir regelmäßig grillten und Silvester feierten, dachte sich eines Abends mit mir zusammen eine Geschichte über das „Sprechperlchen-Günthi-Land“ aus. Sprechperlchen war mein Spitzname, denn wir hatten Wellensittiche und Günther scherzte, ich müsse diesen das gleichnamige Futter weggegessen haben, weil ich so viel redete. Wie wir auf die Idee gekommen sind, die Geschichten aufzuschreiben, weiß ich nicht mehr. Das lief immer so ab, dass ich das Grundgerüst schrieb und Günther dann witzige Kommentare ergänzte. Zwei Hefte existieren davon, inklusive Grundschulkind-Rechtschreibfehler und eigenhändigen Illustrationen von mir.
Mit 18 schrieb ich sogar eine Fortsetzung zu einem runden Geburtstag meines Schreibpartners, in der ich auf ironische Art Erinnerungen an meine Kindheit in Villmar verfasste. Besser Zeichnen hatte ich bis dahin nicht gelernt.
Immer wieder höre ich von Kolleg*innen, welches Buch sie inspiriert hat, zu schreiben. Ich sage immer, ich habe geschrieben, seit ich das Alphabet konnte, und das stimmt auch. Aber diese Geschichten sind das erste wirklich Originelle, was ich zu Papier gebracht habe. Später haben Günther und ich uns völlig aus den Augen verloren. Umso mehr trauere ich jetzt um diese schöne gemeinsame Zeit, die mich sicher auf den Pfad gesetzt hat, den ich jetzt gehe. Danke, Günthi.
 
„Jeden Sonntagabend kullerten da Sprechperlchen und Günthis über den Rasen,
der eine himmelblaue Farbe hatte und auf dem Mond Blumen wuchsen.
Sie hatten ein dichtes Fell und kleine Stacheln
und machten seltsame Geräusche.
Außerdem erzählten sie immer eläktrische Geschichten,
die so spannend waren, daß man fast einen Stromschlag bekam.

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