Verzichte fürs Schreiben!

Schreiben – quälender Kampf mit inneren Dämonen oder das beste Hobby ever?

„Abstriche machen – für welchen Traum verzichtet ihr gerne?“ Das hat Justine Prust jüngst am #Autorensonntag gefragt, ihrer Aktion auf Instagram. Auf diesen Denkanstoß hin haben dann verschiedenste Autor*innen über alle Facetten dieser Frage nachgedacht. Ich hatte noch nie an der Aktion teilgenommen, nur aufmerksam gelesen. Doch gerade zu diesem Thema dachte ich nicht, dass mir überhaupt was einfällt.

Denn ich habe nicht das Gefühl, dass ich für das Schreiben auf irgendetwas verzichten. Schreiben ist von Kindheit an ein Teil von mir, ich habe mein Leben drum herum gebaut, ob ich selbst Texte verfasse oder anderen Autor*innen helfe, an ihren zu feilen. Sicher braucht es Zeit, aber es gibt halt nichts, was ich lieber tue, sonst hätte ich andere Hobbies/Berufliche-Fast-Standbeine.

Aber dann habe ich nachgedacht und mir Beiträge anderer Autor*innen angeschaut und dieKommentare darauf – und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich einfach verdammt privilegiert bin. Ich habe keine Kinder, ein sehr verständnisvolles Umfeld, einen Freund, der eher mit mir brainstormt als mich vom Schreibtisch fernzuhalten, eine Selbständigkeit, die es mir erlaubt, meinen Tag frei einzuteilen und dem Schreiben Raum einzuräumen. Als ich noch bei der Zeitung war, schrieb ich kaum, denn die Artikel saugten den ganzen Tag zu viel kreative Energie. Ich war noch nie der Typ, der samstagsabends auf Partys gegangen ist, und meine journalistische Ausbildung erlaubt es mir, sehr selbstverständlich mit Worten umzugehen, dass ich selten so kämpfe wie andere, nicht mal beim Überarbeiten. Meine Agentin ist sehr fleißig und geduldig und als ich in ein depressives Loch fiel und meine Kreativität gleich mit, hat der verständnisvolle Verlag meine Deadline verschoben.

Aber ich weiß, dass es anderen nicht so geht. Lektoratskund*innen von mir sind alleinerziehende Mütter oder Handwerker, die sich nicht einmal trauen, ihrem Umfeld zu gestehen, dass sie schreiben, weil sie Angst haben, ausgelacht zu werden. Es gibt große Perfektionist*innen, die sich damit quälen, nicht jede Kleinigkeit recherchieren zu können, die von Selbstzweifeln geplagt werden oder über das Schreiben Traumata zu besiegen versuchen. Oder schlicht ihre eigene Stimme noch nicht gefunden haben. Einige der großen Schriftsteller der Vergangenheit, an die wir uns nach Jahrhunderten noch erinnern, haben unglaublich gelitten, um ihre große Kunst zu schaffen.

Schreiben zu dürfen, wirkt wie ein Privileg, für manche ist es Notwendigkeit, ein Drang. Zu sagen: Wenn du so drüber jammerst, was du dafür alles opfern musst, dann lass es halt bleiben (Zuspitzung real existierender Kommentare zu den Autorensonntag-Beiträgen), finde ich unfair und greift zu kurz. Wer nie gefrustet ist übers Schreiben, kann sich unendlich glücklich schätzen. Und es ist ja nicht so, dass mir das alles immer leicht fällt, wenn ich nur dran denke, wie lange es gedauert hat, bis ich Menschenwolf beendet hatte!

Natürlich hat diese Frage nach Abstrichen viele negative Beiträge hervorgebracht. Aber es reinigt ja auch die Luft, wenn man mal Dampf ablassen darf. Und danach haben sich alle wahrscheinlich wieder – wie ich – an den Schreibtisch gesetzt und weitergemacht. Weil es nämlich alles wieder wettmacht, wenn wir nur am Ende unser Buchbaby in der Hand halten dürfen.

Schreiben macht echt Spaß, wenn man im Sommer auf einer Berliner Parkbank sitzt – im Winter bei ausgefallener Heizung in der eigenen Wohnung nicht so sehr.

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