Die Autorinnen meines Lebens

Wenn sich aus dieser Welt mal ein Leser zu einem meiner High Fantasy Romane verirrt, dann schreibt er eine aufrichtig freundlich gemeinte Rezension: dieses Buch sei der Beweis, dass dass auch Frauen Fantasy schreiben können. Es ist so selten, es ist eine Erwähnung wert.

Susanne Pavlovic

„Ich lese keine Bücher, die von Frauen geschrieben wurden“, hat mir auf der Phantastika 2017 in Oberhausen ein Mann ins Gesicht geknallt, als ich am Stand meinen neuen Vampirroman präsentierte. In der Fantasyabteilung einer durchschnittlichen Buchhandlung dominieren die Männer die Regalbretter, stellte meine Freundin, Autoren- und Lektoratskollegin Susanne Pavlovic, Gewinnerin des Deutschen Phantastikpreises 2016, fest. Das PAN-Branchentreff im gleichen Jahr ließ das Thema hochkochen, 2018 musste frau feststellen, dass sich trotzdem wenig geändert hat. Selbst im Nachruf für eine der einflussreichsten Fantasyautorinnen unserer Zeit musste in der Überschrift ein männlicher Kollege zur Einordnung herhalten.

Ich bin vergleichsweise spät an das Genre gekommen, oder vielmehr: Vorher habe ich mir nicht bewusst Bücher mit fantastischen Elementen ausgesucht, obwohl sie von Kindheit an in meinem Regal präsent waren mit Michael Ende u.ä. Meine beiden liebsten Autoren sind männlich: Peter S. Beagle und Neil Gaiman. Doch wenn ich meine Regalbretter durchgehe, stelle ich fest, dass es dafür die AutorINNEN waren, die die Bücher schrieben, die mich am meisten prägten. Und heute möchte ich euch ein paar von ihnen vorstellen. Nicht ihre Biografien (da hilft Freund Google sicher gern weiter), sondern was ihre Werke für mich und mein Leben bedeutet haben. Diese Auswahl umfasst nicht alle Schriftstellerinnen, die ich je gelesen habe – so wenige, das wäre ja schlimm -, aber diejenigen, wo der reine Anblick ihrer Cover auf dem Regalbrett ein tiefes Gefühl der Zuneigung in mir auslöst.

1. Chantal de Marolles und Eleonore Schmid

Im dritten Haus sagte die Bäuerin zu ihren Kindern: „Wie dumm, vor einem kleinen Wolf Angst zu haben! (…)“

Fangen wir chronologisch an: Ich war zumindest alt genug, um nicht mehr wie bei „Maulwurf Grabowski“ oder „Fenny, der Wüstenfuchs“ im Buch herumzumalen, aber „Mach’s gut kleiner Wolf“ (ich will ständig ein Komma einfügen, aber der Titel lautet so, auch wenn es im Fließtext dann richtig geschrieben ist) haben mir meine Eltern noch vorgelesen. Zusammen mit der simplen Tatsache, dass unser Schäferhund, Beschützer, Knautschkissen und Schlittenzieher „Wolf“ hieß, hat es wahrscheinlich den Grundstein gelegt, dass ich nie an die Märchen vom „bösen Wolf“ geglaubt habe.

2. Astrid Lindgren

Viele davon sind eigentlich keine Einfälle, sondern nur Umdichtungen eigener Erlebnisse in einer fernen Kindheit, die in der Erinnerung aufblitzen gleich dem huschenden Schein eines Leuchtfeuers.

Das entschwundene Land

Wie könnte es anders sein? Einfach jedes Kind sollte Astrid Lindgren kennen. „Die Kinder von Bullerbü“ waren jahrelang meine Sommerferienlektüre, besonders die Weihnachtskapitel daraus, und ich wollte wie Ronja im Wald wohnen. Selbst in ihren fluffigsten Kindergeschichten jubelt einem die politisch engagierte Frau schon im jungen Alter solch wichtige soziale Themen wie Armut (wenn Madita ihre Nachbarin, die aus Geldnot heraus ihren Körper nach ihrem Tod der Wissenschaft spendet, vom Doktor zurückkauft) und Kinderrechte (Pippi will halt nicht in dein blödes Heim, Tante!) unter. Vieles davon ist mir erst später bewusst geworden, und als Erwachsene bewundere ich den Mut und das Einfühlungsvermögen von Astrid Lindgren unendlich. „Die Brüder Löwenherz“ (Sterbehilfe und die Frage nach Leben nach dem Tod), die meine Schwester niemals mehr lesen möchte, brechen mir heute noch das Herz. Ich muss mir unbedingt den neuen Film über Astrid Londgrens Leben ansehen, auch wenn vieles fiktionalisiert wurde.

3. Angela Sommer-Bodenburg

„Ich habe auch manchmal Angst – genau wie du! Aber das zeige ich nicht!“

Ein weiteres Buch aus meiner Standard-Auswahl, die ich mir zu jeden Sommerferien aus der Bibliothek auslieh, bis ich irgendwann mal Taschengeld in die Hand nahm und sie mir kaufte. „Die Moorgeister“ sind deshalb so genial, weil sie mich gleichzeitig mit dem Werk von Annette von Droste-Hülshoff bekannt gemacht haben, über deren faszinierendes Leben ich in Folge weiterlas, auch wenn keines ihrer Gedichte mir je wieder so nahe ging wie „Der Knabe im Moor“. Der Händler der verkauften Träume sah auf der Illustration in den „Moorgeistern“ einem ehemaligen Direktor ähnlich, dessen Ölgemälde in der Aula meines Gymnasiums hing (die Geschichte der Einrichtung reicht bis 1540 zurück). Jedes Mal, wenn wir dort Klausur schreiben mussten, suchte ich mir einen Platz in seiner Nähe – der wohlige Schauer aus Kindertagen war mir lieber als die Prüfungsangst.

4. Käthe Recheis

Sie schaute sich um. Mit jedem ihrer Sinne fühlte sie das Leben ringsum, und alles hatte eine Stimme erhalten.

Das Buch, mit dem quasi alles angefangen hat. Das mein Leben so sehr beeinflusst hat wie kein anderes. Die „Wolfsaga“ mag nicht das actionreichste meiner Wolfsbücher sein und aus heutiger Sicht der Forschung ein paar überholte Klischees von Alphawölfen etc. enthalten oder auch religiöser angehaucht sein, als ich mich jetzt damit wohlfühle – aber es kam mir als Bald-Jugendliche einfach magisch vor. Ich habe andere Bücher nur noch daran gemessen, und wenn ich „Solos Reise“ als „Wolfsaga der Katzen“ bezeichnete, war es das größte Kompliment, das mir einfiel. Es hat nicht meine Wolfsbegeisterung ausgelöst, denn ich habe es definitiv erst gelesen, als ich mich ohnehin schon interessierte, aber richtig zum Brennen gebracht. Und damit ging es los: Kurzgeschichten schreiben fürs Wolf Magazin, Kennenlernen von Elli Radinger und Werner Freund, Fahrt in den Yellowstone, Praktikum im Wolfcenter Dörverden, Wolfseminare geben als Umweltpädagogin … Ich habe „Lena“ noch dazugesetzt, weil ich immer nur von der Wolfsaga rede, Käthe Recheis aber einige gute Bücher geschrieben hat. Dieses beeindruckt mich mit seiner schonungslosen und doch kindgerechten Beschreibung einer Kindheit im von den Nazis besetzten Österreich.

5. Lucis St. Clair Robson

Und wenn du heute Abend zurückkommst, dann nenne mir die drei schönsten Dinge, die du gesehen oder gehört oder gerochen oder berührt hast.

Dieses Buch ist der Grund, warum Karl May nie an mich rankam: Bis ich Winnetou 1 in die Hand nahm, hatte ich schon viel beeindruckendere, realistischere und packender erzählte Literatur über amerikanische Ureinwohner gelesen, obendrein mit einer weiblichen Identifikationsfigur. „Tiana – die mit den Wolken zieht“ von der gleichen Autorin mochte ich ebenfalls sehr, aber Naduah war eine Zeitlang meine treuste Wegbegleiterin. Heute noch kommen mir in manchen Situationen Zitate aus „Die mit dem Wind reitet“ in den Sinn, und den oben zitierten Satz nahm ich als Inspiration, um mir vor ein paar Jahren einen Gute-Laune-Kalender zuzulegen, in den ich jeden Abend mindestens eine schöne Sache aufschreibe, egal, wie scheiße der Tag sonst war.

6. Liselotte Welskopf-Henrich

Nein, nicht „Die Söhne der großen Bärin“. Die habe ich bis heute nicht gelesen, nur den Film gesehen. Die Reihe, die mich geradezu umgehauen hat, war „Das Blut des Adlers“, die Geschichte der Nachfahren des alten Inya-he-yukan, die in den Reservationen leben, gegen Alkoholismus, Kriminalität und Bevormundung kämpfen und in den 70er- und 80er-Jahren gegen die Ungerechtigkeit aufstehen. Realistisch eben, s.o. Ich habe die fünf Bücher momentan ausgeliehen, deshalb kann ich sie weder fotografieren noch ein aussagekräftiges Zitat raussuchen. Das Bild zeigt mich in einem Zelt, lesend an einem Regentag, am Ape Lake, British Columbia, in den kanadischen Rocky Mountains, die erste Naturerlebnisreise, die einen so tiefen Eindruck hinterlassen hat wie keine danach. Das Blut des Adlers war mit dabei. Ich war eine Zeitlang heimlich verknallt in Joe King, den perfekten „Bad Boy“, aber vor allem habe ich daraufhin weiterrecherchiert – es ist echt depremierend, was bis heute in diesen Reservationen geschieht.

7. Tamora Pierce

Du meine Güte, das ist vielleicht ’ne komische Gegend. Ritterinnen, die sagen, ich soll sie beim Vornamen nennen, Zauberer, die Feuer anzünden, und Königinnen, die in Kleidern wie normale Menschen herumrennen.

Hier haben wir sie endlich, meine erste bewusst gekaufte Fantasy. Und besser als mit Tamora Pierce hätte ich kaum einsteigen können. Eigentlich hätte ich hier „Im Tal des langen Sees“ abbilden müssen, denn die Dhana-Reihe begann ich aus Versehen mit Band 2 – ich war darauf gestoßen, weil Wölfe darin vorkamen: Dhanas altes Rudel, bei dem das mit Wilder Magie begabte Mädchen eine Zeitlang wohnte, bittet sie um Hilfe, zwischen Tieren und Menschen zu vermitteln, aber natürlich gibt es viele Vorurteile gegen die Wölfe. Und erst nachdem ich die ganze Reihe gelesen hatte, begriff ich, dass sie eine Fortsetzung zu der Alanna-Reihe ist, die den Werdegang der ersten weiblichen Ritterin von Tortall erzählt. Starke Frauen, deshalb stark, weil sie vielschichtige Charaktere sind mit Ängsten und Schwächen, die sich von ihrer Erziehung lösen und ihren Weg finden. Dhana blieb jedoch meine Favoritin – Alanna kann halt nicht mit Tieren reden.

8. Susanne Pavlovic

„Na ja … Ich lasse dich ran, wenn du willst.“ Sie wusste, er würde ablehnen, noch während sie sprach, doch sein völlig überrumpeltes Gesicht und die Art, wie er nach Worten suchte, entschädigten sie.

Jetzt breche ich die Chronologie, aber die beiden passen einfach zu gut zusammen. Krona ist eine Hauptfigur, wie man sie selten findet in der Fantasy: Frau, Mitte 40, desillussionierte Soldatin, aber unter den Schichten aus Alkoholismus und Sarkasmus sehr warmherzig. Natürlich habe ich das Buch voreingenommen gelesen, weil ich mich zuerst mit der Autorin angefreundet hatte und mit ihr zusammenarbeite, aber wie alle meine Freundinnen wissen, beeinflusst das mein strenges Urteil über Bücher kaum. Und Krona liebe ich. Man braucht nur riiiichtig viel Zeit für sie – mit 648 Seiten ist Band 1 der kürzeste.

9. Susanna Clarke

The voice itself was not easy to understand (…) It was extraordinarily harsh, deep and rasping; it was like two rough stones being scraped together and yet the sounds that were produced were clearly intended to be speech …

und 10. Naomi Novik

Laurence stared at the dreagon, at the pale, frightened boy, and then took a deep breath and said to the creature, „I beg your pardon (…) My name is Will Laurence; and yours?“

Diese beiden fasse ich zusammen, denn viel zu erzählen im Sinne von Einfluss auf mein Leben gibt es nicht – es sind schlicht zwei großartige Fantasy-Werke, geschrieben von Frauen. Beide entwerfen eine alternative Zeitschiene, interessanterweise von der gleichen Periode: England des frühen 19. Jahrhunderts im Krieg gegen Napoleon. Susanna Carke stellt sich vor, wie dieser verlaufen wäre, wenn parallel zwei Magier um die Anerkennung ihrer Zunft als Profession für Gentleman gekämpft hätten. Naomi Novik verpasst allen Beteiligten des Krieges eine Luftwaffe in Form von Drachen – was angesichts des strategischen Genies von Napoleon die Engländer ganz schön in Schwierigkeiten bringt. Jonathan Strange & Mr Norrell ist in einem Stil verfasst, der meinem völlig entgegensteht – ausschweifend, gewundene Schachtelsätze, auktorialer Erzähler – und trotzdem oder gerade deshalb genieße ich diesen Wälzer unglaublich. Er atmet seine vergangene Epoche und ich habe viel Spaß an dem feinen englischen Humor, der die eigene Gesellschaft auf die Schippe nimmt. Die Temeraire-Reihe habe ich noch nicht beendet, werde es aber bald. Sie ist viel gradliniger, ein Abenteuer, das in jedem Band in ein anderes Land entführt und sehr konsequent durchdenkt, wie Drachen die verschiedenen Kulturen dieser Welt verändert hätten. Brilliant!

Sorry, übrigens, dass ich nun ins Englische übergehe. Seit ich 2004/2005 in Montreal war, lese ich viel im Original – so kann ich auch meinen inneren Lektor besser überrumpeln, der mir seit fünf Jahren zu schnell jedes private Lesevergnügen verdirbt. Aber alle diese Bücher wurden auch übersetzt.

11. Harper Lee

You never really understand a person until you consider things from his point of view… Until you climb inside of his skin and walk around in it.

In diesem Fall kannte ich den Film vor dem Buch und es ist mein Paradebeispiel, wo beide gleichwertig herausragende Vertreter ihrer jeweilen Medien sind, ohne eine Eins-zu-eins-Übersetzung darzustellen. Das Buch ist selbstverständlich vielschichtiger und das Gerichtsdrama, in dem Gregory Peck scheinen konnte, nur ein Teil dessen, was das Mädchen Scout in ihrer Südstaaten-Kleinstadt Mitte der 30er erlebt. Regelmäßig taucht „To kill a mockingbird“ auf der Liste der am häufigsten angefochtenen und „verbannten“ Bücher auf, weil Harper Lee den Rassismus dieser Zeit plastisch darstellte – und ebenso wie Mark Twains Huck Finn durch die Augen eines Kindes, das zu naiv ist, um zu verstehen, wie Erwachsene es in diese Menthalität mit hineinziehen, und sie eben dadurch entlarvt. Dass eine Lehrerin überfordert ist, weil die gerade eingeschulte Scout schon lesen kann und sich in der Schule langweilt – das ist ebenfalls sehr aktuell, wie ich gerade im Bekanntenkreis mitbekommen habe. Es ist ein brilliantes Buch von vorne bis hinten und es ist schade, dass Harper Lee nie etwas anderes veröffentlichte – zumindest nicht bis kurz vor ihrem Tod, wobei unklar ist, ob „Go set a watchman“ tatsächlich mit ihrem bewussten Einverständnis erschien. Ich habe noch nicht entscheiden, ob ich diese Fortsetzung je lesen möchte, auch wenn ich den Gedanken interessant finde, Atticus Finch von seinem Podest zu holen und seine Tochter zu ihrem (und des Lesers) Schock erkennen zu lassen, dass er ein guter Anwalt sein mag, aber kaum weniger vom Rassismus seiner Zeit geprägt als der Rest der Stadt.

12. Elli H. Radinger

Die handtellergroßen Pfoten landeten auf meinen Schultern, seine weißen Reißzähne waren nur Zentimeter von meinem Gesicht entfernt. Ich hielt den Atem an – dann leckte er mir mit seiner rauen Zunge mehrmals über das ganze Gesicht.

Diese wunderbare Frau ist bereits 2016 auf meiner Liste der Vorbilder meines Lebens aufgetaucht. Kennengelernt haben wir uns, als sie mich anrief, um zu fragen, ob sie eine Kurzgeschichte von mir, die auf der Kinderseite der heimischen Zeitung erschienen war, im Wolf Magazin drucken dürfe. Was für eine Frage! Von Elli habe ich fast alles gelernt, was ich über Wölfe weiß, und 2006 mit ihr eine Wolfbeobachtungstour in den Yellowstone unternommen. Von ihrer beeindruckenden Bibliographie, die vorzulektorieren ich z.T. die Ehre hatte, habe ich ihre Teil-Autobiografie ausgesucht, aus einem bestimmten Grund: Unwillkürlich las ich dieses Buch ein zweites Mal, als Anfang 2014 in mir der Verdacht keimte, dass der Beruf, den ich ausüben wollte, seit ich 14 war, vielleicht doch nicht das Richtige für mich sei. Ihre Beschreibung, wie sie ihren Anwaltsjob in die Tonne trat, um ihrem Traum zu folgen, hat mich sehr inspiriert auf meinem Weg in die Selbständigkeit – auch wenn mir Elli als gute Freundin in Gesprächen die Fallstricke und Schwierigkeiten aufzeigte, die diese Entscheidung mit sich bringen würde.

13. Amanda Palmer

(…) we just can’t see what we do as important enough to merit the help, the love. Try to picture getting angry at Einstein devouring a donut brought to him by his assistant while he sat slaving on the theory of relativity.

So schließt sich der Kreis: Neil Gaiman mag mein zweitliebster Autor sein, aber das Buch, das mich im vergangenen Jahr inmitten der tiefsten Depression erreicht hat, das einzige, für das meine Konzentration ausreichte, um es zu beenden, das eine Offenbarung für mich war und mich so tief berührt hat wie kaum ein anderes – hat seine Frau geschrieben. Natürlich war ich mir bewusst, dass Amanda Palmer existiert, vielleicht hatte ich sogar mal was von den „Dresden Dolls“ gehört, aber richtig wahrgenommen habe ich sie erst über den Blog ihres Mannes, und das ist fast zu peinlich, um es laut zu sagen. Gerade vorhin hat der Paketbote mir ihre neue CD „There will be no intermission“ gebracht, die erste, die ich mir von ihr gekauft habe, auch wenn „In my mind“ Teil meiner Mutmach-Playlist für den Gang in die Selbständigkeit war. Ich bin verliebt in die zum Album dazu gelieferten Kunstfotos und habe etwas Angst, es zu hören, weil es viele Emotionen triggern wird, aber das ist ein anderes Thema. Zuerst also hat mich Amanda Palmer als Autorin beeindruckt mit ihrer schonungslosen Ehrlichkeit, der Mischung aus persönlichen Anekdoten und ihrer Lebensphilosophie, nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern zusammengeworfen in herrlich assoziativem Chaos, das einen ganz eigenen Spannungsbogen entwickelt. Ich habe den Eindruck, wir sind grundverschiedene Menschen, und trotzdem haben wir vieles gemeinsam und können uns Mut machen inmitten unserer Zweifel und Ängste.

Das richtige Buch zum genau richtigen Zeitpunkt, wie viele auf dieser Liste. Es kann sehr gut sein, dass ihr, wenn ihr jetzt, angeregt von diesem Beitrag, euch das ein oder andere als Lektüre holt, enttäuscht sein werdet, weil ihr vergeblich darauf wartet, dass das Buch in euch die gleiche Resonanz auslöst wie in mir. Das ist das Pech mit Empfehlungen: Vielleicht ist es nicht die richtige Zeit oder allein meine Einschätzung hat bereits falsche Erwartungen geweckt. Trotzdem, jede einzelne dieser Autorinnen ist es wert, sich ihr Werk genauer anzusehen, und ich freue mich auf viele mehr, die da kommen werden.

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