(K)Ein Schreibupdate – Lesung, Messen, NaNo

Ach, Leute, was soll ich sagen? Ich gehe mir selber auf den Keks damit, dass ich nichts Neues aus meiner Schreibstube zu berichten habe. Beiträge auf Autor*innenseiten sollten einen Mehrwert für die Leserschaft haben, habe ich gerade wieder einen Marketingtipp gelesen. Ich würde euch gern erzählen können, dass ich Partner in Dagebüll und Umgebung suche, um für nächstes Jahr  eine Lesung meines Regionalkrimis „Sturmflutnacht“ am Ort des Geschehens zu organisieren. Aber dann sehe ich die Inzidenzen meiner Stadt in die Höhe schnellen und lese Schlagzeilen, nach denen die Anzahl der Menschen mit „Impfdurchbruch“ auf der Intensivstation steigt – und verliere die Motivation. Die Pandemie hat uns noch in den Klauen und mein Immunsystem ist seit Jahren nicht gerade der Hit, wie aktuell wieder der Husten beweist, der sich seit der Beerdigung hartnäckig festgesetzt hat. Kein Wunder, Angst und Stress haben da einen Einfluss.

Buchmessen 2021

Deshalb hab ich mich auch noch nicht entschieden, ob ich in diesem Jahr die BuchBerlin besuche, wenn, mache ich das wohl spontan, ganz nach Infektionsgeschehen. Dieses Jahr hätte ich tatsächlich erstmals einen echten Anlass, auf die Frankfurter Buchmesse zu fahren. Normalerweise meide ich ja das große Branchentreffen, das für mich weder als Autorin in Kleinverlagen noch als Lektorin für hauptsächlich Selfpublisher*innen von übermäßigem Interesse ist.  Und für alles andere bin ich nicht Fangirl genug oder mag auch keine Menschenmassen. Allerdings könnte ich meiner Freund*in und Kollegin Juri zujubeln, die mit ihrem Buch „Ganz dringend ans Meer“ auf der Shortlist des Deutschen Selfpublisherpreises steht. Doch so kurzfristig kriege ich das nicht organisiert und mache das halt zu Hause vor dem Computerbildschirm.

Drei Wochen Trauer müssen reichen

Momentan kreisen meine Gedanken ums Durchhalten, um Trauerbewältigung, um mentale Gesundheit, aber selbst die bekomme ich aktuell nicht auf die Reihe und kann nicht so inspirierend sein, wie ich es sonst gerne bin. Und sei es nur, euch zu versichern, dass ihr nicht alleine seid mit Zweifeln und Depressionen, und das es okay ist. Momentan fühle ich mich nicht okay und bin nicht okay damit, sondern ungeduldig und wütend auf mich selbst, was natürlich kein Stück hilft. Zwar klappt es wieder einigermaßen im geliebten Brotjob, aber ich renne meinem Arbeitspensum hinterher und brauche immer wieder Pausen. Leider musste ich auch die Erfahrung machen, dass das Verständnis anderer Menschen für meine Trauer nach dem Tod meines Vaters nur so weit reicht, wie es ihre Zeitpläne nicht durcheinander wirft. Drei Wochen sind mehr als genug, jetzt funktioniere gefälligst wieder! Zum Glück sind das die Ausnahmen und mein Umfeld ist ansonsten geduldig und verständnisvoll (meine Agentin hat bereits die Deadline für den aktuellen Roman verschoben) – nur reicht ja eine*r, um die Stress-Abwärtsspirale in Gang zu setzen.

Schbitzklicker

Es ist nicht mal so, dass ich mich kreativ ausgetrocknet fühlte – ich weiß genau, wie das nächste Kapitel meines Cosy Crime weitergeht (es ist das siebte und hat den schönen, hessischen Titel „Schbitzklicker“ – danke an Ex-Nachbar Horst für die Dialektberatung!). Ich bin schlicht zu erschöpft für irgendwas. Dass wie alle Jahre wieder der NaNoWriMo naht und viele meiner Autorenfreund*innen im „Preptober“-Fieber zur Vorbereitung stecken, tut mir gerade nicht gut. Zwar habe ich noch nie an dieser Aktion teilgenommen, aber es wurmt mich dieses Mal besonders, weil ich das Gefühl habe, ich müsste mich zusammenreißen und professioneller sein. Das alte Gift des Vergleichens kriecht in meinen Kopf. Der NaNo ist vor allem für den inspirierenden Austausch da, die Motivation und gegen lähmenden Perfektionismus . Ich habe schon vor Längerem festgestellt, dass ich nicht jeden Tag schreiben kann, sondern mit dem Flow gehen muss, mir Wörterzählen nicht gut tut und Deadlines mir kaum so viel Druck machen können wie ich selbst. Ich weiß das und doch flüstert eine böse Stimme im Hinterkopf, ob ich überhaupt noch Autorin bin.

Raus aus dem Schreibtief

Gerade kam in der Schreibnacht die Montagsfrage, welche Tipps wir gegen Schreibtiefs haben. Sofort kann ich runterrasseln: Mit der Hand schreiben (es fließt leichter und regt das kreative Zentrum besser an), draußen in der Natur herumwandern und Inspiration und Ruhe holen, sich keinen Stress machen, sondern daran erinnern, was Spaß macht, und wenn es dadurch ist, dass man in Kurzgeschichten oder gemeinsamen Online-Rollenspielen mit anderen seine Figuren besser kennenlernt und erforscht. Ich kenne die Tricks und habe sie oft genug angewandt – aber auch dafür muss ich erstmal wieder Kraft finden. Heute wollte ich das Abtippen früherer Kapitel fortsetzen. Die Sonne war draußen und ließ das Herbstlaub strahlen. Trotzdem ging ich nur bis zum Supermarkt und schreibe stattdessen einen Blogbeitrag, um mich zu beklagen, dass ich nicht schreibe. Das kreative Hirn ist genau so ein Arschloch wie das depressive, glaub ich. Aber ich mache weiter. Ich brauche nur Zeit.

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