Nassferatu, Spaß am Stand und Evakuierung – meine erste FaRK

Als am Freitagnachmittag auf dem Händlerparkplatz meine Reifen durchdrehten und die Security, die gerade dabei war, andere Fahrzeuge aus dem Schlamm zu schieben, meinte: „Du hast noch Profil auf den Reifen, fahr rückwärts raus, aber bleib an der oberen Reihe Autos, wenn du der unteren zu nah kommst, rutschst du rein“ – ahnte ich noch nicht, wie witzig es noch werden würde an diesem Wochenende.

Neue und alte Freund*innen

Meine erste FaRK, Fantasie- und Rollenspielkonvent. Ein befreundetes Pärchen fuhr seit Jahren dorthin, deshalb wusste ich, dass das Event existiert. Mit Lesungen, Kostümen, Mittelaltermarkt, Nerdzeg und abgedrehten Bands klingt es wie für mich gemacht. Aber einfach mal so rüber ins Saarland huschen, ist aus dem Osten halt nicht drin, so ohne Anlass. Den mir dieses Jahr meine liebe Agentur Ashera gab, weil ich am Stand alle meine Bücher präsentieren durfte und natürlich auch die des Ashera-Verlags. Die erste Großveranstaltung seit Pandemiebeginn (die definitiv noch nicht vorbei ist, egal, was wir uns wünschen) – das bereitete mir schon ein paar unruhige Schlafstunden. Aber Open-Air, in einem gut durchlüfteten Pavillon und mit Abstand des Verkaufstisches hatte ich nicht das Bedürfnis, die Maske aufziehen zu müssen. Zwar hab ich mir irgendwas eingefangen – oder bin wegen Stress im Anschluss mit psychosomatischen Symptomen zusammengeklappt, so ganz ist das nicht klar -, aber nicht Covid.

Nicht nur für mich war es das erste Mal auf der FaRK, sondern auch für meine beiden Agenturkolleg*innen  Stefan S. Kassner und Haike Hausdorf.  Und auch für das FaRK-Team, zumindest auf diesem Open-Air-Gelände (mehr dazu später). Ich finde es toll, Menschen zu treffen, die ich sonst nur über ihren Internetauftritt kenne – vor allem, wenn sie mir dann noch sympathischer werden. Das lag nicht nur daran, dass es einen zusammenschweißt, wenn man den ganzen Tag angesichts der Sintflut im Pavillon für gute Laune sorgen muss, sondern hauptsächlich an Goliaths Charme. Der schnuffige Vierbeiner hat mehr Leute in unser Zelt gelockt als unsere Bücher – kein Wunder! Nein, ohne Witz, mit Annika, Haike und Stefan ist mir die Zeit sicher nicht lang geworden. Eine schöne Erfahrung war außerdem, dass viele der Leute, die am Samstag sagten, sie kommen am nächsten Tag mit einer größeren Tasche für Bücher wieder – auch wirklich kamen. Realtalk: Finanziell hat es sich bei der Anfahrt natürlich kein Stück gelohnt. Aber manchmal tut es einfach dem Ego gut und auch dem Bekanntheitsgrad, auf Messen mit Interessierten über meine Bücher plaudern zu können. Wobei meine Kolleg*innen nach nur einem Rundgang übers Gelände mit mir meinten: „Andrea ist ja bekannt wie ein bunter Hund.“ – weil ich so viele liebe Filker zum Umarmen fand.

Die Sintflut

Alle reden über das Wetter – und das zurecht, denn das war zum Einstand der FaRK am Losheimer See einfach spektakulär schlecht. Eigentlich ist die Location ein Traum, gerade für so eine Veranstaltung mit verschiedenen Gruppen: Der Sandstrand, die verschiedenen Wege und Treppchen von einer Ebene zur anderen, Wiesenflächen für die Lager und Zelte, Platz für die große Bühne und absolut absurderweise ein Wasserspielplatz … Wir in der Phantastischen Bibliothek standen oben auf dem Hügel, mit festen Böden und regensicheren Dächern, zum Glück. Dass die Orga mit dem Gelände nicht vertraut war, machte sich allerdings rasch bemerkbar in solchen Details wie fehlender Schlüssel für das Eingangstor, das wir Händler*innen zum Aufbau verwenden sollten (zwei Tage hintereinander), ein schräger Wiesenhang als Parkplatz, der im Laufe eines verregneten Wochenendes immer mehr zum Sumpf wurde (ich kam wirklich noch rechtzeitig raus – andere mussten sich mit dem Trecker rausziehen lassen) und dass man erst Samstag auf die Idee kam, den Platz mit Stroh wenigstens etwas abzutrocknen. Für das Wetter kann niemand etwas, das ist klar – aber es war angekündigt und die Probleme des Geländes laut der Einheimischen schon lange bekannt.

Trotzdem, im Laufe des Samstag schien alles einigermaßen im Griff zu sein, die ganz empfindlichen Cosplay-Kostüme blieben daheim und die Schauer wehten uns öfter Publikum ins Zelt. Ab 19 Uhr, behauptete das Wetterlügi, werde es sogar sonniger.

Sattdessen kam die Evakuierung.

Annika und ich hatten uns gerade was zu Essen geholt (Entscheidungskriterium war nicht nur Geschmack, sondern auch, was wir erreichen konnten, ohne über die Knöchel zu versinken) und hörten die Durchsage von der Bühne nur mit halbem Ohr. Als nächstes blockierte uns ein Ordner den Weg. „Wir räumen das Gelände.“ Unwetterwarnung. Sturmböen. Blitzgefahr – fatal, wenn man am Seeufer steht und sowieso der ganze Boden ein See ist. Wir durften noch unsere Autoschlüssel holen, warfen zwei Plastikplanen über unsere Büchertische, verschnürten den Eingang und rannten zum Ausgang. Auf dem Heimweg schwamm das Auto fast, die Lichtshow war beeindruckend und die Böen ließen die Hoffnung sinken, am nächsten Tag auch nur ein trockenes und heiles Buch vorzufinden. Wie sollten die Pavillons stabil genug sein, um so etwas standzuhalten?

Sonniger Sonntag

Tatsächlich haben wir im Auto das Gewitter abgekriegt, das die Evakuierung auslöste – und dann an Losheim vorbeizog. Sonntagmorgen empfängt uns Sonne und ein unversehrter Büchertisch. Schön zu wissen, dass es nicht nur ein subjektiver Eindruck war, dass an dem Tag mehr los ist, sondern sich auch im Umsatz niedergeschlagen hat (ich schwanke zwischen niedlich und Augenrollen, wie der SR-Reporter im Hörbeitrag des letzten Links mit einigem Staunen und Unverständnis von den seltsamen Gestalten redet – aber Geoffrey hätte er wenigstens korrekt aussprechen können). Ich hab die Gelegenheit genutzt und nochmal einen richtigen Rundgang gemacht, war hingerissen vom Buchkleid von https://www.instagram.com/seyalilith/ und verbrachte vor allem ein bisschen Zeit im Lager der Steampunk-Vampire – oder Vampirjäger, das war manchmal nicht ganz klar, aber wen kümmert’s?

Vor allem ist beim Pflocken des (spontan umgetauften) „Nassferatu“ ein wunderbares Bild entstanden, das ich gern für künftige Vampirveröffentlichungen als Autorinnenbild nehmen möchte. Auch wenn eine Freundin, der ich es zeigte, prompt fragte: „Stehst du da nicht auf der falschen Seite?“ Tja, vielleicht … Aber wir wissen ja eh, dass Pflöcke nicht wirklich nutzen.

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