Neues Buch, neue Heimat, #BuCon, alte Heimat und und und

Normalerweise versuche ich, das hier so zu gestalten, dass jeder meiner Beiträge ein Hauptthema hat. Aber in den vergangenen Wochen ist bei mir mit Umzug, Irland-Urlaub (für den ich noch ein paar Bilder und Anekdoten jenseits der World-Con nachliefern werde), Trauerfall in der Verwandtschaft, Arbeit, Schreiben, Erkältung, FilkCon etc. alles drunter und drüber gegangen. Deshalb habe ich ein paar kleine Collagen zusammengestellt, um euch auf den neusten Stand zu bringen.

1) Neues Buch

Das wichtigste zuerst: Mein neuer Roman „Menschenwolf“ steht kurz vor der Veröffentlichung. Dass ich deswegen total aus dem Häuschen bin (immerhin ist es mein Herzensprojekt und eigentlicher Erstling), habe ich, glaub ich, schon öfter erwähnt. Seit ich das Cover gesehen und die Lesezeichen in die Hand bekommen habe, wird es immer realer und ich kann es kaum noch abwarten. Isegrim-Verlag für meine Werwölfe – es ist einfach zu perfekt! Ich hatte sogar schon eine erste Lesung auf der Filk-Convention Intermezzo. Es war zwar gar icht so leicht, nach der großartigen Ju Honisch aufzutreten, während sich das Publikum noch auf dem Boden wälzte und die Lachtränen aus den Augen wischte. Obendrein bin ich nach wie vor äußerst unsicher mit diesem Werk, eben weil es mir so am Herzen liegt und ich völlig betriebsblind bin in Bezug darauf, schlimmer als bei jedem anderen Buch. Als vor vier Jahren eine geschätzte Lektoratskollegin die Lektüre abbrach, weil ihr das Werwolfkonzept nicht gefiel und der Anfang zu langatmig erschien, hatte ich schon abgeschrieben, überhaupt jemals einen Verlag dafür zu finden, weil ich keine Idee mehr hatte, wie ich das lösen sollte. Seither ist das Ganze nach Anmerkungen der Verlagslektorin noch einmal überarbeitet worden (gerade das erste Drittel), aber mein Selbstbewusstsein ist ein wankelmütiges Ding. Umso mehr Balsam auf die Seele war es, als eine Freundin unter den Zuhörerinnen auf der Intermezzo, der ich diesen Hintergrund erzählt hatte, nach Ende meiner Lesung spontan und ehrlich empört rausplatzte: „Und wer hat behauptet, das wäre langweilig?!“ Der Applaus verhinderte eine Antwort, aber ich nenne eh keine Namen. Ich werde hier natürlich sofort informieren, wenn „Menschenwolf“ draußen ist – es kann jeden Tag soweit sein.

2) Neue Heimat

Schaut sie nicht hübsch und friedlich aus, die liebe Mulde? Aber wenn ihr euch die Stadtmauer mal genauer anseht, könnt ihr Teile der Hochwasserschutzanlage sehen, die gerade in diesem Sommer fertiggestellt wurde. Wenn allerdings noch einmal so eine Flut kommt wie 2002, geht die wieder obendrüber. Unterkante Dachfirst stand das Wasser damals, es ist einfach unglaublich, die Bilder (zum Beispiel in dieser Doku ab Minute 3.52 oder in Fotos) und Hochwassermarken zu sehen. Aber wenn sie nicht gerade Amazonas spielt, ist die Mulde ein hübscher Fluss, an dem man prima Radfahren kann und alle Zutaten für meine Wildbeerenmarmelade findet. Zwar war ich noch zu sehr mit Mich-und-die-Wohnung-Sortieren beschäftigt, um viel herumzukommen und Kontakte zu knüpfen, aber ich habe schon das beste Eiscafé, einen ausgezeichneten Inder und die Kaffeerösterei entdeckt. Beim großen Klimastreik am 20. September marschierte ich mit den engagierten Schülern von Fridays for Future Grimma mit (und hab mich gerade zufällig beim mdr entdeckt) und wurde als Frühkommerin prompt zur Ordnerin befördert – nicht, dass ich etwas zu tun gehabt hätte. Ich habe das Gefühl, dass das wirklich eine Stadt zum Wohlfühlen ist.

3) BuCon

Nach wie vor halte ich den Rekord, um den mich niemand gebeten hat und der nicht mal wirklich Absicht ist: als Autorin und Lektorin noch nie auf der Frankfurter Buchmesse gewesen zu sein. Denn als junge Autorin (im Sinne von unbekannt) habe ich nicht das Gefühl, dort von irgendwas profitieren zu können (Fangirl bin ich ja nicht mit Ausnahme von Bagle, und die Begegnung hatte ich ja schon in diesem Jahr). Wer mit der Vorstellung dorthin fährt, er könne einem der großen Verlage sein Manuskript unterjubeln … nein. No-Go! Und selbst wenn Selfpublisher (meine Lektoratskunden) nicht mehr ganz die Kellerkinder sind, heißt das nicht, dass sich ein Stand dort lohnt. Deshalb ist die BuCon in Dreieich interessanter. Sie stammt noch aus der Zeit, als die FBM Fantasy nicht als ernsthafte Literatur betrachtete. Hier stehen die Kleinverlage und man kann tatsächlich mit Verlegerinnen, Lektorinnen, Kolleginnen, Selfpublisherinnen etc. (generisches Femininum, wie immer) ins Gespräch kommen. Oder mit Coverdesignerinnen, in meinem Fall: die liebe Ria Raven, die meinen „Menschenwolf“ gestaltet hat. Allerdings war die Stimmung ein wenig wie das Treffen der Überlebenden (abgesehen von Feder & Schwert, die tatsächlich ein letztes Mal dort auftraten) nach dem harten Branchenjahr. Meine Katzen waren am Arunya-Stand in guter Gesellschaft bei der ganzen Science-Fiction, doch gekauft hat keiner was, zumindest nicht, während ich in der Nähe war. Trotzdem habe ich die Gespräche sehr genossen – das ging ja schon morgens früh mit netten Cosplayern im ICE los. Natürlich musste ich ein Foto mit Aziraphale und Kakao machen (wer die Serie noch nicht gesehen hat: Warum nicht? Beste Adaption ever!).

4) Alte Heimat

Juma. Immer wieder das süße, psychopathische Wuschelchen. Jetzt bin ich nur noch fünf Stunden von daheim entfernt, nicht mehr achteinhalb, das habe ich ausgenutzt und meinen ersten Kurzbesuch seit Jahren mit der BuCon verknüpft. Ich hoffe, dass ich meine Familie jetzt öfter sehen kann.

5) Und und und

Oh, ich schreibe wieder. Langsam, aber stetig, und habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dieses Jahr mit meinem Regionalkrimi fertig zu werden. Es gab den Wendepunkt und ab jetzt geht es „nur noch“ in einem Rutsch durch bis zum Finale. Hier auf meiner Seite passiert in diesem Monat auch noch etwas: Ich werde eine Ravic-Kurzgeschichte veröffentlichen. Die coole Sau hat sich bei den meisten Leserinnen von No Pflock zum Liebling entwickelt, vielleicht gerade weil man so wenig über ihn erfährt. Zwar habe ich schon eine komplette Origins geplottet, aber diese Geschichte ist anders. Entstanden für eine nie veröffentlichte Anthologie, spielt sie vor dem Hintergrund von Draculas (endgültigem) Tod. Dracula ist in meinem No-Pflock-Universum (das letztlich unsere Welt ist) pure Fiktion, deshalb ist die Geschichte streng genommen kein Kanon. Aber sie zeigt Ravic in einer Stuation, die in No Pflock leider unterging: seine Was-bei-dem-Kerl-dafür-durchgeht-Freundschaft mit Vincenzo, Lizas Meister und Münchner Ältestenratsmitglied. Es gab eine ganz kurze Szene, die ich nie ins Buch integriert habe, am Ende des ersten Kapitels. Denn während Martin seinen ersten schrecklichen Tag als Vampir am Boden seines Badezimmers in der Schottenau verbringt, hat es sich Ravic kurz vor Sonnenaufgang in der Krypta des Eichstätter Doms bequem gemacht.

Das Klingeln seines Zweithandys hallte in dem geräumigen Marmorsarg wider.

„Ja?“

„Veccio, wo bist du? Hier geht alles drunter und drüber und die anderen fragen sich, was du …“

„Du bist plötzlich abgehauen, nicht ich.“

„Das ist ein Scherz, oder? Du klingst wie eine schmollende Geliebte. Der Rat diskutiert, ob das einfach Zufall war, aber ich glaub nicht daran.“

„Politik interessiert mich nicht, weißt du doch.“

„Wer rennt auf dem Oktoberfest mit Silber rum? Das muss dich doch auch …“

„Ragazzo mio, nimm’s nicht persönlich, aber ruf nicht mehr an. Ich sterbe gerade. Solltest du auch machen.“

Und damit, liebe Leserinnen, seid ihr wieder auf dem neusten Stand. Mal sehen, ob es so stürmisch weitergeht, oder ich mich auf die Sturmfluten in meinen Geschichten konzentrieren kann.

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